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SGEMGlobal#123: German: Fentanyl intranasal – oh, what a feeling!

SGEMGlobal#123: German: Fentanyl intranasal – oh, what a feeling!

 SGEMGlobal#123: German: Fentanyl intranasal – oh, what a feeling!

Link zur deutschen Version des Podcasts: SGEMGlobal#123

Link zur englischen Orginalversion des Podcasts: SGEM123

Datum: 1.Februar 2016

Disclaimer: Im englischen Original des SGEM und hier in der deutschen Übersetzung wenden wir größte Sorgfalt an, um korrekte Informationen rund um die Notfallmedizin zu geben. Dieser Podcast ist nur an medizinisches Fachpersonal gerichtet. Allerdings sind wir nicht immun vor Fehlern und übernehmen keine Gewähr für den Inhalt des Podcasts und dessen klinischer Anwendung. Jeder ist für sein Handeln selbst verantwortlich und wir empfehlen, diesen Podcast nicht als einzige Grundlage für die Behandlung von Patienten zu verwenden!

Gast im Orginal: Dr. Anthony Crocco. Anthony ist der Abteilungsleiter und medizinische Direktor für pädiatrische Notfallmedizin an der McMaster Universität. Er betreibt nebenbei den SketchyEBM Blog.

Klinischer Fall: Ein dreizehn Jahre alter Junge verdreht sein Bein in der Schule. Er kommt in die Notaufnahme mit einer lateralen Patellaluxation. Bevor Du die Patella reponierst, fragst Du Dich, was Du dem Kind als Schmerztherapie geben kannst.

Hintergrund: Oligoanalgesie ist definiert als Mangel von Analgesie oder die insuffiziente Analgesie. Es gibt jede Menge Studien, die zeigen, dass dies ein großes Problem in der Notaufnahme ist (Wilson and PendletonMotov and Khan). Bestimmte Patientengruppen haben ein höheres Risiko eine Oligoanalgesie zu erleiden (Ältere PatientenFrauengeistig behinderte Patientenbestimmte ethnische Gruppen und zumindest in Amerika gibt es einen Zusammenhang zum Versicherungsstatus). Schaut Euch dieses sieben Minuten YouTube-Video über Oligoanalgesie an, welches auf der CAEP 2015 Konferenz aufgenommen wurde.

Es gibt eine Menge Möglichkeiten, Schmerzen bei Kindern auf pharmakologischem Weg (Analgetika wie NSARs, regionale Nervenblockaden, subdissoziative Dosen von Ketanest oder Opiate) oder nicht-pharmakolgisch (Ablenkung, Schienung etc.) zu behandeln. Hier sind einige Referenzen für mehr Informationen über pädiatrische Schmerztherapie:

  • Cimpello LB et al. Practice patterns of pediatric versus general emergency physicians for pain management of fractures in pediatric patients. Pediatr Emerg Care 2004
  • Kircher J et al. Pediatric musculoskeletal pain in the emergency department: A medical record review of practice variation. CJEM 2014
  • Poonai N et al. Opiod analgesia for acute abdominal pain in children: A systematic review and meta-analysis. Acad Emerg Med 2014
  • Harman S et al. Efficacy of pain control with topical lidocaine-epinephprine-tetracaine during laceration repair with tissue adhesive in children: a randomized controlled trial. CMAJ 2013
  • Stevens B et al. Sucrose for analgesia in newborn infants undergoing painful procedures. Cochrane 2013
  • Gray L et al. Sucrose and warmth for analgesia in healthy newborns: an RCT. Pediatrics 2015
  • Hartling L et al. Music to reduce pain and distress in the pediatric emergency department: a randomized clinical trial. JAMA Pediatr 2013
  • Tanabe P et al. The effect of standard care, ibuprofen, and distraction on pain relief and patient satisfaction in children with musculoskeletal trauma. J Emerg Nurs 2002

Um ein Youtube-Video über pädiatrische Schmerztherapie zu sehen, schaut Euch „RANThony#3 – sei nicht Dr. Evil, behandle pädiatrische Schmerzen richtig!“ an. Andere „RANThonys“ sind Fever Fear und Paediatric Cough Medications.


Klinische Fragestellung: Kann man Fentanyl intranasal bei pädiatrischen Patienten sicher für die Schmerztherapie verwenden?


Referenz: Murphy et. al. Intranasal fentanyl for the management of acute pain in children. Cochrane 2014.

  • Patientengruppe: randomisierte kontrollierte Studien über Kinder mit akuten Schmerzen
  • Intervention: Fentanyl intranasal
  • Vergleich: jede andere pharmakologische oder nicht-pharmakologische Therapie
  • Outcome: 
    • primär: geringere Werte auf der Schmerzskala
    • sekundär: Nebenwirkungen, Toleranz, Notwendigkeit von zusätzlicher Analgesie, Zufriedenheit von Eltern/Patienten, Kosten, Mortalität

Zusammenfassung des Autors: „Fentanyl intranasal (INF) kann ein effektives Analgetikum für die Behandlung von Patienten mit akuten mittleren oder starken Schmerzen sein und die Gabe scheint den Kindern minimalen Stress zu bereiten.“

Qualitätscheckliste für systematische Übersichtsarbeiten bezüglich Therapieoptionen:

  1. Ist die klinische Frage sinnvoll und beantwortbar? Ja! Dies ist eine wirklich wichtige Frage! Bei Kindern mit akuten Schmerzen ist es sehr hilfreich, eine sichere, effektive und schnelle Option zu haben, um die Schmerzen zu behandeln.figura do check list.
  2. War die Suche nach Studien detailliert und erschöpfend? Ja!
  3. Waren die primären Studien von hoher methodischer Qualität? Ja!
  4. War die Beurteilung der Studien reproduzierbar? Ja!
  5. War das Outcome klinisch relevant? Ja!
  6. Gab es eine geringe statistische Heterogenität bezüglich des primären Outcomes? Nein!
  7. War der Effekt der Behandlung groß und klar genug, um klinisch relevant zu sein? Ja!

Hauptergebnisse: Drei Studien sind in diese Übersichtsarbeit eingeschlossen worden. Eine Studie hat Fentanyl intranasal mit Morphium intramuskulär, eine andere Fentanyl intranasal mit Morphium intravenös und die letzte Fentanyl intranasal in zwei verschiedenen Dosierungen verglichen. Wegen dieser methodischen Unterschiede war ein Vergleich der Daten nicht möglich.

Als Fentanyl intranasal mit Morphium intramuskulär verglichen wurde, wurde kein signifikanter Unterschied bei der Schmerzkontrolle gefunden, außer dass es nach 10 Minuten bei Fentanyl intranasal einen nicht signifikant geringeren Wert auf der Schmerzskala gab (p<0.014). Beim Vergleich von Fentanyl intranasal mit Morphium intravenös fanden sich keinerlei Unterschiede bei der Schmerzkontrolle in diesen beiden Gruppen.

In keiner der Studien wurden irgendwelche ernsten unerwünschten Nebenwirkungen oder Todesfälle gefunden. Einer der Teilnehmer berichtete über einen schlechten Geschmack im Mund und ein Anderer  erbrach nach Gabe des Fentanyl intranasal. Dagegen gab es bei einem Patienten in der Gruppe mit dem intravenösen Morphium eine Rötung der Einstichstelle.

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Schlauberger-Ecke:

Dies ist eine sehr gut durchgeführte Übersichtsarbeit. Die Art und Weise der Suche war gründlich und die eingeschlossenen Studien waren von guter Qualität, wenngleich es nicht viele waren.

Leider waren die drei Studien von so unterschiedlicher Methodik, dass die gefundenen Daten nicht kombiniert werden konnten.

Alle drei Studien zeigen, dass Fentanyl intranasal eine effektive und sichere Option für die Schmerztherapie bei Kindern mit mittleren und starken Schmerzen sein kann.

Kommentar zu der Zusammenfassung des Authors: 100 prozentige Zustimmung.

SGEM Fazit: Bei Kindern mit akuten mittleren und starken Schmerzen ist Fentanyl intranasal ein sicherer und effektiver Weg, um die Schmerzen zu bekämpfen.

Auflösung des klinischen Falls: Das Kind bekommt Fentanyl intranasal und nach kurzer Zeit kann die Patella problemlos reponiert werden.

Klinische Anwendung: Bei Kindern mit mittleren und starken Schmerzen kann Fentanyl intranasal sicher benutzt werden, um die Schmerzen zu lindern.

Was sage ich meinem Patienten? Ich sprühe Dir eine Medizin in die Nase und dann werden Deine Schmerzen schnell besser! Bzw. zu den Eltern: ich gebe Ihrem Kind ein starkes Schmerzmittel in die Nase ohne eine Nadel zu legen und dann können wir die Kniescheibe wieder einrenken.

Das wars, bis zum nächsten Mal bei der deutschen Übersetzung des skeptics guide to emergency medicine!

Euer Ilja


Denkt daran, seid skeptisch bei allem was Ihr lernt, sogar wenn Ihr es im skeptics guide to emergency medicine hört!